700 Apartments neben dem Colonius

Köln. Die Domstadt braucht dringend neue Wohnungen. Nach oben zu wachsen war bislang tabu. Doch nun sollen zwei Wohntürme entstehen, von denen der höhere 127 m aufragt. Zusammen mit dem 60 m hohen kleineren Turm sind 700 Mikroapartments direkt neben dem Fernsehturm geplant. Der Name des Projekts ist etwas irreführend: Lifestyle Mikrotower heißt das Vorhaben, das die i-Live-Gruppe aus Aalen zusammen mit der Kölner Liqion Capital realisieren wird. Er ist deshalb irreführend, weil “mikro” das griechische Wort für “klein” ist – und klein ist das Projekt  wahrhaftig nicht. Neben der Höhe von 127 m ist die Zahl der geplanten Wohneinheiten mit bis zu 700 ebenfalls beeindruckend. Alles andere als klein ist auch das Investitionsvolumen, das mit rund 120 Mio. Euro angegeben wird. “Mikro” wird also lediglich der Inhalt der beiden Türme: Hier sollen die aktuell sehr gefragten Mikroapartments Einzug halten. Auf die hat sich die i-Live-Gruppe spezialisiert. Bei den aktuell rund 2.000 Einheiten, die das Unternehmen aus der Ostalb in Deutschland bereits realisiert hat, liegt die Durchschnittsgröße der Wohneinheiten bei etwa 21  m². Die Zielgruppe dieser Kleinwohnungen ist klar: Pendler, Studierende, Singles und Berufseinsteiger nennt der Entwickler als Kerngruppen seiner Mieter sowie alle diejenigen, die generell  temporären Wohnraum benötigen. In Köln gehören dem Joint Venture aus Liqion und i Live, das das Vorhaben gemeinsam realisieren will, bereits die nötigen Flächen neben dem Fernsehturm  Colonius: Subbelrather Straße 13 lautet ab 2020 die Adresse von den zahlreichen Mietern des Lifestyle Mikrotowers. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen.

“Auf dem Grundstück befindet sich derzeit ein älteres Bürogebäude”, erklärt Claus Hilgers, der Geschäftsführer der Liqion Capital.

In der Tat, das wenig ansehnliche Gebäude versteckt sich hinter den Bäumen des inneren Grüngürtels und wird von verschiedenen Unternehmen genutzt. “Die Immobilie muss allerdings dem Neubau weichen”, erläutert Hilgers. Seit Mitte Mai wissen die Kölner auch, wie der Wohnturm neben dem Fernsehturm aussehen wird. Da tagte nämlich das Preisgericht und entschied sich aus fünf Vorschlägen einstimmig für den Entwurf des Wiener Architekturbüros Delugan Meissl. Dort freue man sich sehr, den ersten Preis “für das Studentenwohnheim” erhalten zu haben, ist  telefonisch zu erfahren.

Das Konzept von i Live ist aber deutlich mehr als das eines klassischen Studentenwohnheims. Die rund 32.000 m² BGF, die das Projekt umfasst, werden außer mit den Livestyle Apartments  genannten Kleinstwohnungen mit weiteren angesagten englischsprachigen Nutzungen gefüllt: Coworking Spaces sind genauso vorgesehen wie Community Areas und eine Skybar in luftiger Höhe.  Zusammen mit einer gewerblichen Nutzung, die vermutlich die Nahversorgung der rund 700 Mieter sicherstellen wird, kommen die allgemeinen Flächen auf rund 3.500 m². Damit das Projekt sein Plazet auch in der Kölner Politik findet, haben sich die Entwickler verpflichtet, 30% der Wohneinheiten mit einer öffentlichen Förderung zu errichten. Das sind immerhin 200 Einheiten, in die
dann Menschen mit vergleichsweise geringem Einkommen ziehen können. Hier hat i Live die Zielgruppe einkommensschwächerer Studenten im Blick, so heißt es.

“Das wirklich Besondere an dem Projekt ist jedoch”, erläutert Hilgers, “dass die Stadt Köln mittlerweile verstanden hat, dass mehr Wohnraum auch durch mehr Höhe zu erzielen ist. Hier hat  definitiv ein Umdenken stattgefunden.”

Nur ungern erinnert sich die Immobilienbranche an das Kölner Hochhauskonzept aus dem Jahr 2003, das letztlich gekippt wurde, weil die Unesco damit drohte, dem Dom seinen Status als  Weltkulturerbe abzuerkennen, wenn er von Hochhäusern umringt sei. Nun kann in Köln offenbar wieder hoch gebaut werden und das Vorhaben ist nach seiner Fertigstellung immerhin Kölns  fünfthöchstes Haus. Offen ist aber noch, ob eine Einrichtung Einzug halten wird, die es in etlichen anderen Häusern von i Live gibt: Ein eigener Hühnerstall, aus dem die Frühstückseier für die  Bewohner kommen.

~ erschienen am 18.05.2017 in der Immobilienzeitung ~

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